Die Grundlage der Nigerianischen Wirtschaft bildet der Rohölexport, auf den auch ein Grossteil der Staatseinnahmen entfällt. Im globalen Vergleich ist Nigeria der sechstgrösste Erdölproduzent, und viele internationale Investoren sind bereit hier zu investieren.

Die nigerianische Guaranty Trust Bank ist sogar als einzige subsaharische Bank an der Londoner und der Frankfurter Börse gelistet. Seit einigen Jahren beginnt sich die Tourismusbranche wieder zu erholen, was vor allem auf die zunehmend stabilere politische und sicherheitstechnische Lage zurückzuführen ist.

Strom- & Wasserversorgung

Die Stromversorgung in Nigeria ist unzureichend, und die Kapazität der vorhandenen Kraftwerke viel zu gering. Es kommt sehr häufig zu Stromausfällen, die sich über mehrere Stunden hinziehen können. Viele Hotels und andere Wohnungen haben aus diesem Grund einen eigenen Dieselgenerator, der in den Ausfallzeiten die Stromnutzung gewährleistet. In ländlichen Gegenden ist ein Anschluss an das Stromnetz nicht gewährleistet.

Die Netzspannung beträgt in Nigeria 230 Volt, und die Netzfrequenz wurde auf 50 Hertz festgelegt. Dies entspricht denselben Normen wie in Deutschland, nur der Netzstecker hat eine andere Form. Ein einfacher Adapter lässt die in Deutschland üblichen Geräte vollständig betriebsbereit werden.

Die Wasserversorgung ist für afrikanische Verhältnisse nicht schlecht, jedoch nicht mit europäischen Standards zu vergleichen. In den Städten gibt es im Allgemeinen ein gut funktionierendes Netz. Wenn man weit von einer Stadt entfernt ist, muss man das Wasser meist aus einem Tiefbrunnen empor pumpen. Von diesem Wasser können verschiedene Gefahren ausgehen. Vor allem das Risiko von Infektionskrankheiten ist relativ hoch. Deshalb sollte man das Wasser aus einer nicht sicheren Quelle immer abkochen und damit die Krankheitserreger abtöten.

Politik

Die politische Lage in Nigeria hat sich seit dem Ende der Abacha-Diktatur merklich gebessert. Vor allem das Verhältnis zur internationalen Staatengemeinschaft ist nicht mehr so angespannt, wie gegen Ende der 90er Jahre. Man ist Mitglied in den verschiedensten internationalen Organisationen, darunter dem Commonwealth, OPEC, OIC und der Afrikanischen Union.

In Nigeria existiert ein Mehrparteiensystem, das man ohne Bedenken als demokratisch bezeichnen kann. Das System der sozialen Absicherung ist jedoch sehr rudimentär. Öffentliche Leistungen stehen nur Regierungsbediensteten zur Verfügung, und die sozial schlechter gestellten Gesellschaftsschichten sind auf die eigene Familie angewiesen. Die desolate Haushaltslage in Nigeria hat alle Pläne, die ein Gesundheits- oder Rentensystem betrafen, zum Scheitern gebracht.

Grosse Probleme bereiten der Politik die Kriminalität und militante Gruppierungen. Ein besonderes Anschlagsziel sind immer wieder die Erdölpipelines, die angezapft werden, um das Öl dann auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Es gibt zahlreiche militante Gruppierungen in Nigeria, die sich aus politischen, religiösen oder sozialen Gründen zusammengeschlossen haben und für beständige Unruhen im Land sorgen.

Afrika ist die Wiege der Menschheit, und auch in Nigeria findet man unzählige Zeugnisse aus der Frühzeit unserer Spezies. Vor mehr als 10.000 Jahren gab es hier schon grössere Siedlungen, und noch vor den Griechen wurden hier die ersten befestigten

Städte gegründet. In Nigeria wurde auch die Eisenzeit des westlichen Afrikas eingeläutet, und es ist anzunehmen, dass sich hier schon sehr früh erste menschliche Kulturen bildeten.

Auch zu den mediterranen Kulturen jenseits der Sahara bestanden Kontakte. Durch die Sahara hindurch wurde Handel getrieben, und Nomaden beförderten die verschiedensten Waren von Nigeria bis an das Mittelmeer.

Vor dem 15. Jahrhundert existierten zahlreiche verschiedene Staaten im heutigen Nigeria. Im Norden kam man schon sehr früh mit dem Islam in Kontakt, und die grossen Sahelreiche hatten einen gewaltigen Einfluss. Schon damals waren die heute bekannten Ethnien wie die Ibo, die Yoruba und die Hausa tonangebend. Als die Europäer im 15. Jahrhundert dann begannen die Welt zu bereisen, kam es sehr bald zu den ersten Kontakten. Die Portugiesen gelangten schon in den 1480er Jahren nach Nigeria und begannen sofort damit Handelstätigkeiten aufzunehmen. Nur kurze Zeit später um 1550 begannen dann auch die Engländer diese Region zu erkunden und begaben sich schon bald auf die Suche nach Sklaven und Elfenbein. Mit den neuen Gegebenheiten veränderten sich auch die politischen Kräfte in der Region, und die Städte des Südens begannen zunehmend an Einfluss zu gewinnen. Erst 300 Jahre später veränderte sich die Situation dramatisch.

Im 19. Jahrhundert wurde der Sklavenhandel von den europäischen Grossmächten verboten, und man begann in den Regionen Nigerias nach neuen Handelsbeziehungen zu suchen. Mittlerweile konnte man mit den Waren aus den exotischen Ländern sehr viel Geld verdienen, und deshalb begannen vor allem die Engländer damit, ihren direkten Einfluss in Nigeria weiter auszubauen. Ab 1850 wurden die Briten zunehmend auch im Inland aktiv. Der erste Schritt führte eine britische Expedition nach Lagos. Hier wurde 1886 eine Kronkolonie gegründet, die als Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten dienen sollte. An diesem Standort etablierten sich zunehmend verschiedene Handelsgesellschaften, die ein natürliches Interesse daran hatten, den Einflussbereich der Küste entlang weiter auszudehnen. In den nächsten 50 Jahren konnte die Kolonialmacht Britannien viele Völker an sich binden, und erst die Begegnungen mit den Deutschen und Franzosen setzten der Expansion Grenzen.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kam es erneut zu einem Wandel. Im Jahr 1938 forderte der Parteienführer Herbert Macauley, dass Nigeria ein unabhängiger Staat werden solle. Man verlangte, Nigeria politisch auf dieselbe Stufe wie Australien zu stellen, doch wurde dieser Prozess durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Erst 1954 kam die Frage erneut auf, und im Spätjahr 1959 wurde in London die Unabhängigkeit des Landes vorbereitet. Es fanden anschliessend Wahlen statt, und ein erstes gemeinsames Parlament konnte die Arbeit aufnehmen. Im Jahr 1960 entliessen die Briten Nigeria dann endgültig in die Unabhängigkeit.

Die junge Demokratie hatte mit vielen Problemen zu kämpfen, und 1966 konnte das Militär die Regierungsgewalt an sich reissen. In den 70er Jahren verbesserte sich die Situation nicht wirklich und es kam zu weiteren Putschen. Die Wirtschaft begann sich ebenfalls zu verändern, weil man in Nigeria grosse Mengen Erdöl entdeckte, die das Land zum grössten Ölexporteur Afrikas aufsteigen liessen. Auch in den 90er Jahren hielten die Konflikte an, und Demokratisierungsbewegungen konnten sich nicht durchsetzen. Die Abacha-Diktatur, die von 1993 – 1998 andauerte, zählt zu den blutigsten Kapiteln der nigerianischen Geschichte. Die Lage in Nigeria hat sich seither nicht mehr stabilisiert, und es kommt sporadisch zu zeitlich und räumlich begrenzten Unruhen.

Infrastruktur

Die Infrastruktur in Nigeria entspricht zwar nicht europäischen Standards, aber für afrikanische Verhältnisse sind sie überdurchschnittlich. Durch den Wirtschaftsboom, der in den 70er Jahren auf Grund des Erdöls ausgelöst wurde, konnte man sehr viel Geld in die Infrastruktur investieren. Die Grossstädte des Landes sind über Autobahnen miteinander verbunden.

In ländlichen abgelegenen Gegenden gibt es noch sehr viele nicht-asphaltierte Strassen, die gerade bei starkem Regen unpassierbar sind.

Das Schienennetz in Nigeria besitzt zwar keine besonders grosse Ausdehnung, doch ist es dank internationaler Hilfe in einem relativ guten Zustand. Pläne für eine Modernisierung des gesamten Schienennetzes sind bereits verabschiedet. Aus der Luft ist Nigeria ebenfalls sehr gut zu erreichen, denn insgesamt gibt es im Land 22 asphaltierte Flughäfen. Die meisten internationalen Fluglinien, die Nigeria zum Ziel haben, steuern den Flughafen in Lagos an.

Die technische Erschliessung des Landes ist noch nicht wirklich weit fortgeschritten. Nur ein geringer Anteil der Bevölkerung besitzt zum Beispiel einen Computer und weniger als 0,01% der Menschen haben einen Internetzugang. Die Stromversorgung in Nigeria ist im afrikanischen Vergleich nicht schlecht, dennoch kommt es häufig zu Stromausfällen. Die meisten Hotels besitzen aus diesem Grund einen Notstromgenerator, um lange Stromausfälle überbrücken zu können. Die Wasserversorgung ist eine staatliche Aufgabe und ist je nach Region unterschiedlich. In den Wüstengegenden herrscht natürlich fast immer Wassermangel, während andere Regionen in dieser Hinsicht keine Probleme haben. Ein Wassernetz, wie es in den Industrienationen üblich ist, gibt es in Nigeria nicht, aber es gibt zentrale Wasserentnahmestellen, die eine ausreichende Versorgung gewährleisten.

Bevölkerung

Wie in vielen afrikanischen Staaten verstehen sich die Menschen in Nigeria als Teil eines Stammes. Zu den grössten und einflussreichsten Ethnien in diesem Land gehören die Hausa und Fulbe. Die Hausa sind eine sehr grosse Bevölkerungsgruppe und sind über mehrere Länder verteilt. In Nigeria leben circa 21 Millionen Angehörige, die sich zu diesem Stamm rechnen. Insgesamt schätzt man, dass circa 30 Millionen Menschen in Afrika Hausa sind.

Die Fulbe waren in früheren Zeiten ein nomadisierendes Volk, und aus diesem Grund verteilen sie sich heute über ein sehr grosses Gebiet, das von der Westküste bis an die Ostküste des Kontinents reicht.

Eine weitere sehr wichtige Ethnie sind die Yoruba, die alleine circa 20% der Bevölkerung Nigerias ausmachen. Dieses Volk konzentriert sich hauptsächlich auf den Süden des Landes, der eine sehr hohe Bevölkerungsdichte besitzt. Im Kerngebiet der Yoruba befinden sich 22 der 50 grössten Städte Nigerias. Am Lauf des Niger haben die Ibo ihre Heimat. Immerhin 12% der Einwohner Nigerias gehören zu dieser Volksgruppe. Gerade aus kultureller Sicht sind die Ibo sehr aussergewöhnlich. Hier befinden sich zum Beispiel historische Gräber, die einen Einblick in die Kulte und Rituale dieser altafrikanischen Kultur geben.

Neben diesen staatstragenden Völkern leben noch über 400 weitere Stämme auf dem Staatsgebiet von Nigeria. Teilweise besitzen diese Ethnien nur einige wenige tausend Mitglieder und sind auf ein lokales Umfeld beschränkt. Die meisten der hier genannten Gruppen sind sehr gastfreundlich und Fremden gegenüber aufgeschlossen. Jedoch sollte man beachten, dass es in manchen Regionen zu schweren Konflikten zwischen den Mitgliedern einzelner Ethnien kommen kann oder die Armut den Lebenswandel vieler Menschen bestimmt.

Die Zahl der verschiedenen Religionen in Nigeria ist ebenfalls unüberblickbar. Der grösste Teil der Bevölkerung gehört zu den Muslimen oder Christen. Daneben existieren sehr viele Naturreligionen, die sich aus den alten Traditionen heraus entwickelten. Insgesamt wohnen in Nigeria 140 Millionen Menschen, und ein Grossteil  konzentriert sich auf den Süden, der sehr dicht bevölkert ist. Die Wachstumsraten der Bevölkerung sind sehr hoch und werden von der Weltbank auf ca. 2,9% geschätzt.

Die Dankbarkeit wurzelt im Wissen, dass Großherzigkeit nicht selbstverständlich ist.Herzlichen Dank

Wir danken von Herzen allen Spendern, Förderern, Helfer und Mitarbeiter für ihre treue Unterstützung.
Ein herzliches Dankeschön auch an jene, die eine längerfristige Projekt- oder Kindspatenschaft übernommen haben!
Vor allem im Namen der Kinder ein Vergelt's Gott für jede noch so kleine Gabe und das Mittragen im Gebet.

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